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Weissclowns, USA und die Neue Mitte

Sicherlich kennt jeder das bekannte Bild des Clowns, mit grellroter oder manchmal auch knatschgelber Knollennase, Struwwelhaaren, großen Patscheschuhen und rotgeschminktem Mund. So in der Überlieferung von Krusty, Johnny oder - für den etwas anderen Geschmack - Pennywise.

Hierzulande ist dieser Typus Clown bekannt als der Typ des "dummen August" und hat sich eigentlich erst recht spät entwickelt. Der ursprüngliche Typus des Clowns ist uns allen ebenfalls noch wohl bekannt: es ist der Harlekin, im Französischen auch als Pierrot bekannte Typ, mit sehr viel mehr Weiß im Gesicht, wesentlich ernster wirkend und auch agierend, der Typus des sogenannten "Weißclowns".

Der Weißclown war im Gegensatz zu seinem modernem Gegenspieler, dem "dummen August", nie von besonderer Tolpatschigkeit oder Dummheit gekennzeichnet. Im Gegenteil, zumeist stellte der Weißclown eine zutiefst von sich selbst überzeugte Person dar, die im Prinzip nur an seinem Schicksal und der Unzulänglichkeit der anderen scheiterte.

Warum ich mich mit so einem "Schrott" beschäftige ? Nun, zum Einen interessiert mich die Entstehungsgeschichte von Stereotypen (warum zum Teufel ist arisch = blond und blauäugig ?...). Zum Anderen bin ich aber auch derart von neuen Trends fasziniert, dass ich mich gern darum bemühe, in Mode gekommene Stile auf ihre Ursprünge zu untersuchen.

In den frühen Achtziger Jahren des ausgehenden Jahrhunderts entwickelte sich ein Modestil bei Jugendlichen, deren Anhänger als Grufties bezeichnet wurden. Um das klarzustellen, die damaligen Grufties wären selbst nie auf die Idee gekommen, sich gegen diese Bezeichnung zu wehren und sich gar Gothics zu nennen. Warum auch - so ein wenig gotisch sind wir dank der Völkerwanderung ja alle hier in unseren Gefilden, das ist ja nun nix besonderes.

Aber damals in den Achtzigern wollten Jugendliche anders sein. Und siehe da - die damaligen Grufties verstanden es durch die Bank weg, sich vielleicht seltsam, aber doch höchst individuell und immer ansehnlich zu stylen. Sicherlich war es damals auch noch eine kreative Leistung, dies zu tun, denn es gab praktisch keine Vorbilder und schon gar keine kommerzielle Modeindustrie, die von Hause aus bereits den Instant-Totenlook zum Verkauf anbot.

Nun ja, in meinen Augen waren die damaligen Grufties so etwas wie die Weißclowns der Gesellschaft. Zumeist waren es durchaus intelligente, recht kreative junge Menschen, die sich in den einschlägigen Cliquen rumtrieben, geprägt von einer Melancholie, die diese Bezeichnung auch verdiente und nix mit genereller Suizidstimmung gemein hatte. Es waren auf ihre Art Außenseiter, und zwar in dem Sinne, dass sie mit der normalen Gesellschaft nicht notwendigerweise in Kontakt geraten wollten - und umgekehrt.

Meine Damen und Herren - auch in der Mode hat sich nunmehr der Typus des "dummen August" in Abgrenzung zum Weissclown etabliert. Heutzutage wimmelt es von sogenannten Gothics, oder noch besser: Goths (man hüte sich, ohne Schirm in der Nähe zu stehen, sollte ein solcher Goth einem erklären, was er darstellen soll...), an schlechten Tagen hat man das Gefühl, das "Gothic"-Design habe sich ähnlich auf den Strassen etabliert wie in den Achtzigern die Pünktchen-Leggings und der Aerobic-Look. Von Individualität oder gar Außenseiter-Mentalität gar keine Spur. Wer heute - in der unglaublichen Fehleinschätzung, damit als Rebell angesehen zu werden - sich das gute kleine "Schwarze" mit den Nägeln und Stacheln aus dem nächsten Lädchen leistet, sich zur Abrundung noch so gibt, als würde man Sex nur in Latex praktizieren, so tut, als würde das Elend der Welt allein auf den eigenen auserwählten Schulterchen lasten, sich Nicknames wie "DarkAngel", "Fallen Angel", "Gabriel" oder Luziferine" gibt, der tut letztendlich nix anderes, als in den immer viel zu weiten, abgetragenen Frack des Weißclowns anzuziehen, den der "dumme August" aufgrund seiner Armut immer auftragen mußte.

Nun, es ist verständlich, dass man als junger, recht orientierungsloser Mensch, gerne das Angebot annimmt in einer vermeintlich "starken" uniformen Gemeinschaft als Individuum praktisch zu verschwinden. Was mich allerdings entsetzt ist der Mangel an Kreativität, der dabei heutzutage allenthalben herrscht. Wenn wir mal ehrlich sind, so reduzieren sich die heutigen Trends auf den Püppchen-Look a la Shakira, Biedermann, Hilton oder auf den schlampigen Neo-Punk-Neo-Gruftie-Stil a la Manson. Vor allem die Vermischung aus Elementen des Grunge, Punks und des Gothic macht mir wirklich Angst. Keine Ahnung, was passiert ist; früher gehörten Grufties zu den wahrscheinlich am Aufwändigsten gestylten Typen - heute reicht meistens fetter schwarzer Kajal wahllos im Gesicht verteilt (so als hätte man ne Runde mit good ole Tyson hinter sich), dazu das obligatorische Stachelhalsband, natürlich die Stulpen - mittlerweile auch gern getragen, um zu behaupten, man hätte darunter Wunden... - und irgendein schwarzes, mottenzerfressendes Kleidchen, das irgendwie einen sexy Eindruck vermitteln soll, letztendlich aber mehr das Sex-Appeal von der kleinen Schwester des kleinen Vampirs versprüht...

Nun gut....die USA. Hach, man ist ja immer mal auf der Suche nach Themen, manchmal stößt man morgens im Bett drauf (siehe oben), manchmal wird man davon ins Bett gestoßen, meistens eher vor den Kopf. Die USA sind ein tolles Land, schon allein aus dem Grund, dass man nie müde werden kann, anzuprangern, völlig ohne dabei jemals Angst haben zu müssen, sich bei der Fülle der Fehltritte dieses Landes in den gerade mal 2 1/2 Jahrhunderten seines Bestehens irgendwie zu wiederholen. Anders ausgedrückt: egal auf welche Stelle des amerikanischen "Volkskörpers" man prügelt, man trifft immer den Tumor...

Sicherlich erinnert sich der geneigte Leser (das setze ich bei meinen Lesern voraus) an den Hurrikan "Katrina", der vor nich ganz einem Jahr New Orleans verwüstete. Damals gingen Bilder um ndie Welt, die seltsamerweise nur schwarze Menschen in Not zeigte. Und zwar viele. Man fragte sich zudem, wie es sein könne, dass die USA sich in der ganzen Welt als Weltpolizei aufspielen - in den eigenen Kommunen aber nicht mal den Verkehr regeln können, um im Bild zu bleiben.

Nun, ein Jahr später, wird klar, dass dies selbstverständlich nicht reines Versehen war, denn die USA sind zwar verbrecherisch und skrupellos, es soll ihnen aber bitteschön niemand den Vorwurf machen, sie seien nicht organisiert und weitblickend. Selbstverständlich wäre es schon damals unwirtschaftlich gewesen, der schwarzen Bevölkerung von New Orleans zu helfen, wenn diese doch nun schon mal aufgrund des Segens einer Naturkatastrophe vertrieben wurde. Um es deutlich zu sagen: im 9.Bezirk von New Orleans, der am Heftigsten betroffen war und in dem praktisch nur die schwarze, arme Bevölkerung lebte, gibt es bis heute keinen Wasser- oder Stromanschluß, es gibt kein Hilfsprogramm von offiziellen Stellen, es wurde kein einziges Haus wieder aufgebaut, kein einziger Schaden beseitigt, es gibt keine öffentlichen Gebäude, keine Schule, keine Kirche. Stattdessen haben offizielle Stellen jetzt verkündet, dass die Kaserne des 9.Bezirks wieder aufgebaut und höchst modern erweitert wird.

Nun, das läßt natürlich nunmehr spätestens auch erkennen, warum die USA den Krieg im Irak letztendlich verloren hat. Wer schon im eigenen Land rücksichtslos nur die Interessen der Wohlhabenden vertritt ohne sich überhaupt die Mühe zu geben, so zu tun, als würde man sich noch Mühe geben (so wird es zum Beispiel in Deutschland ja immer noch gemacht), der tut dies natürlich umso mehr in einem Land, in dem man nicht zu Hause ist. Der Unterschied liegt darin, dass die schwarze Bevölkerung von New Orleans kontrollierbar und domestiziert ist. Im schlimmsten Fall wird eine Woche lang geplündert werden, danach ist Ruhe (siehe L.A.). Im Irak liegt das anders - die Leute da lassen sich mit Tittenfilmchen, American Football und Popcorn offensichtlich nicht so leicht ködern - tja, USA, Vietnam läßt grüßen...

Am Rande: es gibt einen "neuen" Autor aus Frankreich, der sich selbst Philosoph nennt, namens Bernard-Henri Levy. Dieser Mann ist aus mir unerfindlichen Gründen zur Zeit der Hype in Frankreich und dank der Buchmesse nun auch in unserem Land. Die zur Zeit die Diskussionen bestimmende These des Herrn Levy besagt, dass der "Anti-Amerikanismus nicht anderes ist als der Anti-Semitismus; beides seien Ausprägungen der selben rechten Gesinnung".

Lieber Herr Levy, Menschen, die Thesen aufstellen, nur um damit ihre eigene Person ins Rampenlicht zu stellen, und sich dazu der niedrigsten gesellschaftlichen Strömungen bedienen, sind Verbrecher. Ich kann sie darüber hinaus in Ihrer Sorge vollkommen beruhigen - mein persönlicher Anti-Amerikanismus ist geprägt von der faschistischen, imperialen, nationalistischen Politik der Vereinigten Staaten von Amerika, wie sie sich seit der Ausrottung der Ureinwohner des amerikanischen Kontinents darstellt. Mir persönlich ist nicht bekannt, dass ich jemals antisemitisch gewesen bin. Selbst bei den Anti-Golfkriegs-Demos 1990 in Berlin habe ich irgendwie niemanden rufen gehört, dass das "internationale Judentum" den Golfkrieg führe. Nun ja, nichts desto trotz gratuliere ich Ihnen zu Ihrem medialen Erfolg - und erwarte stündlich, dass der "nächste Levy" mir erzählt, Hitler wäre eigentlich Jude gewesen und sein Selbsthass hätte ihn zu seinen Taten angespornt. Na ? Wär das nicht eine geradezu Freudsche These Herr Levy ?

So, nun noch zur Neuen Mitte. Damit ist nicht die nach nur kurzer Blütezeit versunkene gesellschaftliche Schicht aus Schröders Glanzzeiten gemeint, sondern die Betrachtung der neuen geographischen Mitte unseres Landes. Immer öfter stelle ich fest, dass wir keinen östlichen Teil unseres Landes mehr haben. Es gibt praktisch nur noch Nord-, Süd-, West- und Mitteldeutschland. Jawoll: Mitteldeutschland. Ein Begriff, der mir das Würgen bringt. Warum, das erkläre ich gerne. Am Wochenende fand in der Regionalliga Nordost (man beachte:Nordost !!!) das Spiel zwischen dem 1.FC Magdeburg und Dynamo Dresden statt. Dies wurde vom 3. Programm des Mitteldeutschen Rundfunks (!!!) als das Derby in Mitteldeutschland (!!!) angepriesen. Nun zählte der Ostdeutsche zu DDR-Zeiten sicher notwendig nicht gerade zu den geographischen Assen. Deswegen möchte ich auch gar nicht politische Unwissenheit unterstellen - obwohl natürlich der damalige Ostbürger im Volksbürgerkunde-Unterricht auch nicht gerade aufgeklärt wurde.

Deswegen mal kurz zur Klarstellung: Magdeburg liegt in Sachsen-Anhalt. Wenn man dies als Mitteldeutschland bezeichnet habe ich dagegen nicht wirklich Einwände. Sachsen-Anhalt grenzt genauso wenig an das Ausland wie zum Beispiel Hessen. Guten Gewissens kann man hier also von Mitteldeutschland sprechen. Wie das beim sächsischen Dresden funktionieret, ist mir schleierhaft. Viel östlicher als Sachsen ist aus deutscher Sicht nicht möglich. Und da wird auch schnell verständlich, warum der Pole an sich so ein Fan der Deutschen ist. Wie würde sich wohl der Kölner fühlen, wenn der Franzose das Elsass und Lothringen als Zentralfrankreich beschreiben würde ? Nun ja, es war zu erwarten, das Deutschland den Traum vom Osten spätestens nach ein paar Jahren wieder träumen würde. Vielleicht ist es ja aber auch nur die geradezu panische Angst, zu seiner Herkunft aus dem Osten zu stehen...nein, nein, wir sind hier nicht der Osten, wir sind immerhin Mittel....zum Osten ? Nee, da sind sie hier ja vollkommen falsch, aber die da drüben, die sind bestimmt Osten....die sehen ja schon so aus...

Heiliger Strohsack. Was wär ich unterbeschäftigt, wenn die Welt nicht so im Arsch wär.
26.3.07 09:43
 


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